Die Kulturwerkstatt hat Geschichte

Das Gebäude hat selbst eine bewegte Geschichte hinter sich. Wir befinden uns hier gewissermaßen in geschichtsträchtigen Mauern, was man dem Gebäude auf den ersten Blick gar nicht ansieht. Es wurde 1878 von dem späteren Bellheimer Ehrenbürger Prälat Johannes Storck aus eigenen Mitteln errichtet, in der Absicht, der seit 1856 bestehnden katholischen Kinderbewahranstalt endlich eine Heimstatt zu schaffen. 1877 legte er dem Gemeinderat einen fertigen Plan für einen Kindergarten nebst Industrieschule vor und hatte dafür einen Platz „in der Nähe des hießigen Leichenhofes“ vorgesehen. Im Juli 1878 war das Gebäude fertiggestellt und der zuständige Bezirksamtmann berichtete seiner vorgesetzten Behörde: „Es sind insbesondere zwei große Säle zu ebener Erde da, wovon der eine für die kleinen Kinder, der andere für die erwachsenen Mädchen bestimmt ist, welche hier in weiblichen Arbeiten unterrichtet werden und ganz erstaunliches leisten“. Im August wurde das sogenannte Stift eingeweiht „und seinem edlen und humanen Zweck übergeben“.
In der Tat war das Stift zu jeder Zeit weit mehr als ein Kindergarten. Er war das Domizil der armen Schwestern aus Mallersdorf und damit Mittelpunkt allen sozialen Handelns im Dorf. Die testamentarischen Bestimmungen des Erbauers geben Auskunft über die vielfältigen Aufgaben: Die Schwestern betreuten den Kindergarten, das angeschlossene Waisenasyl, die ambulante Krankenpflege und die bereits erwähnte Arbeitsschule. Im Ersten Weltkrieg war das Stift Lazarett, im Zweiten zunächst Verköstigungsstation der Reichsarbeiterdienstes, später Wehrmachtsunterkunft, dann Krankenstation, der Keller Luftschutzraum für militärische Zwecke.
Schon Mitte Mai 1945 wurde das Gebäude mit Erlaubnis der milita¨rischen Besatzungsbehörde wieder seinem eigentlichen Zweck überführt. Die neue Kinderschwester, Schwester Maurilla, nahm hier ihren Dienst auf: Mit 120 Kindern in diesem Raum. Als dann Anfang der 60er Jahre die ersten geburtenstarken Jahrgänge in die Kindergärten drängten und die Erkenntnis moderner Kleinkindpädagogik in die Gesetzgebung Eingang fand, wurden sehr schnell die Mängel des in die Jahre gekommenen Kindergartens deutlich. Mit dem Umzug in den neuen katholischen Kindergarten St. Josef in der Schulstraße 1968 ging das alte Stift in das Eigentum der Brauerei über.

Ein Beitrag von Dr. Hans-Joachim Heinz
Mitarbeiter und Leiter des Historischen Arbeitskreises des Kulturvereins Bellheim

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